Wohnhaus in Chur Chur, Ferrari Gartmann AG | BAUKOBOX

Wohnhaus in Chur

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2003
Einfamilienhaus
Böschenstraße 5
7000 Chur
Schweiz
einschichtig
innenbündig
Flachdach
Lochfassade
Ortbeton
Einfamilienhaus
Architekt
Architekt
Ferrari Gartmann AG

Wenn Architekten ihr eigenes Heim bauen, werden sie auch zu Bauherren und Gestaltern. Der 36- jährige Patrick Gartmann hatte es noch ein bisschen komplizierter: Er war bei seinem Einfamilienhaus auch noch sein eigener Ingenieur. Für sein Erstlingswerk hat er einen Dämmbeton entwickelt, der eine monolithische Bauweise erlaubt und trotzdem die geforderten Wärmedämmwerte erreicht.

Das Haus Gartmann ist eine (Swiss Boxi wie aus dem Lehrbuch, der man ihren Raumreichtum und die Inszenierung der Bewegung im Inneren nicht ansieht. Der Churer spielt virtuos mit Materialien, Raumhöhen und Ausblicken. Im ebenerdig von der Hangseite her erschlossenen Obergeschoss liegt das architektonische Prunkstück:
Die karg möblierte Wohnhalle, deren talseitige Wand aus einem feinen, fast rahmenlosen Glasfilm besteht. Der Blick über Chur wird zur unerwarteten Sicht über das Häusermeer, das an den gegenüberliegenden Bergfuss schwappt. Nachts verwandelt sich das Landschaftsbild in ein faszinierendes Lichter-Panorama mit Grossstadtqualitäten. Auf der anderen Seite hingegen, in den Schlafzimmern, schreibt einem die Architektur vor, was man zu sehen hat - Patrick Gartmann lenkt den Blick durch ein quadratisches Lochfenster hinauf ins Gebirge auf den Calanda-Grat.

Dämm-Betonmauerwerk
Gartmanns Leistung liegt aber auch im Unsichtbaren, im Mauerwerk. Ein herkömmliches Zweischalen-Mauerwerk besteht aus insgesamt zwölf monofunktionalen Schichten, die von vier Berufsgattungen ausgeführt werden. Ein Sichtbeton Mauerwerk, das im Normalfall eine monolithische Bauweise nur vorspielt, ist oft auch ein Zweischalen- Mauerwerk, das zudem komplizierte Konstruktionsdetails und bauphysikalische Einschränkungen bedingt. Der mit Blähton (mit Luft aufgeschäumte Tonkugeln für Hydrokultur-Blumentöpfe) versetzte "Leca-Beton" kam in den Fünfzigerjahren auf den Markt und sollte als monolithischer Baustoff die Lücke zwischen Zweischalen-Mauerwerk und Sichtbeton-Wand schliessen. Doch der Leca-Dämmbeton isolierte unzureichend und erreichte die erforderlichen Wärmedämmwerte erst bei absurden Wandstärken.Patrick Gartmann, den die Idee eines aus einem Material gegossenen, frei formbaren Hauses schon lange beschäftigt, entwickelte in Zusammenarbeit mit der Firma Liapor einen Beton, der trägt und ausreichend dämmt. Gartmanns Idee: Der Ingenieur ersetzt den Sandanteil des Leca-Betons durch mit Luft angereichertes Glas (Blähglas) und erhöht dadurch den Wärmedämmwert des Dämmbetons. Aus der Kombination entsteht ein zementgebundenes, kristallines Ton-Glasgemisch, das in alle Formen gegossen werden kann und als Beispiel bei einer Wandstärke von 45 Zentimetern einen Wärmedurchgangswert (K-Wert) von rund 0.53 W/(m2K) erreicht.

Quelle: Hönig, Roderick; Hochparterre: Zeitschrift für Architekten. Band 17 (2004) Heft 12
Photos: Thomas Dix

Publikation auf beton.org
Publikation auf Baunetz_Wissen
Publikation in der Hochparterre
Publikation in Liapor News

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