Wohn-, Büro- und Geschäftshaus Karlsruhe

2013
Büro- / Geschäftsgebäude
Herrenstrasse 26-28
76133 Karlsruhe
Deutschland
Lochfassade
Flachdach
innenbündig
mittig
nicht hinterlüftet
Büro- / Geschäftsgebäude
Mischnutzung
Fertigteil

Eingeklemmt zwischen zwei Gebäuden unterschiedlicher Proportion, Gestaltung und Höhe sollte das neue Gebäude eine Mittlerposition einnehmen. Der Neubau war notwendig geworden, weil der Bestand marode und nicht zu erhalten war. Allerdings war die Fassade hübsch, um nicht zu sagen ulkig: Die Architekten Curjel und Moser hatten in den Zwanziger Jahren die Aufgabe übernommen, zwei Gebäude mit einer durchgehenden Fassade zu verkleiden. Diese war im Sockelbereich aus poliertem schwarzem Naturstein und einem geschwungenen Giebel gestaltet. In diesem Gebäude hatte Götz Werner mit dem ersten dm-Drogeriemarkt sein Unternehmen begonnen.

Mit dem Neubau soll also nicht nur eine Überleitung zwischen den beiden Maßstäben der Nachbargebäude erreicht werden, sondern auch an die Merkwürdigkeit des alten Hauses und die damit verbundene Geschichte erinnert werden. Die Höhenstaffelung beruht auf der Überlagerung der horizontalen Linien des rechts und links anschließenden Gebäudes. Dabei wird die Bogenform des großen Hauses in veränderter Form fortgeführt, freilich nicht in der direkten Form. Die Senkrechte erhielt eine Faltung, um ein raumhaltige Ansicht und damit eine Reliefsituation der Straßenseite zu erreichen.

Die gesamte Fassade zum Öffentlichen Raum besteht aus sehr exakt gefertigten Betonfertigteilen. Diese sind in einem hellen Sandton eingefärbt, denn wir wünschten uns einen Übergang zum ehemaligen, aus Sandstein errichteten Bankgebäude. Die profilierten Bögen sind in einzelne, zweigeschossige Stahlbetonelemente geteilt. Die ausführende Firma Hemmerlein hat es verstanden, diese Teile zusammen mit den Fertigteilen der Obergeschosse sehr exakt zu versetzen. Damit erscheint die Fassade nahezu fugenlos.

Die Fassade der Obergeschosse ist aus Gründen der Stadtgestaltung mit Lochfenstern versehen. Da für die Belichtung der Obergeschosse eigentlich durchgehende Fensterbänder besser sind, sind zusätzlich Zwischenfenster in einem Glas ausgeführt, das die Färbung der Betonoberfläche erhalten hat. Dass diese Fenster lichtdurchlässig sind, sieht man erst in den Abendstunden, wenn die innere Beleuchtung diese Scheiben hinterleuchtet.

Natürlich ist, architektonisch gesehen, die Betonfassade der anspruchvollste Part der Planung gewesen. Das Thema des Betons setzt sich aber in der Eingangshalle und den Treppenhäusern fort. Dort sind auch die Treppenläufe als Fertigteile in Weißbeton ausgeführt. Die Ladenbetreiber wie die Mieter der Büros in den oberen Etagen haben den Beton ebenfalls stellenweise sichtbar behalten.

Quelle: LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co . KG
Photos: Lederer Ragnarsdóttir Oei

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