Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen

2017
Archiv
Krajnc-Straße 1
6060 Hall
Österreich
Archiv
Labor- / Forschungsgebäude
Beton
Flachdach
hinterlüftet
Architekt
Architekt
Franz und Sue ZT GmbH

Millionen historischer Kostbarkeiten aus den regionalen Landesmuseen lagern vor dem Hintergrund der imposanten Alpenkulisse in diesem Depot in Hall in Tirol. Nach außen strahlt der »Tresor« Selbstbewusstsein und Beständigkeit aus, im Inneren bietet eine klare und einfache räumliche Gliederung optimale Bedingungen für die ForscherInnen und die Artefakte – mit einer erstaunlich simplen technischen Lösung.

Kostbare Sammlungen

Das Gedächtnis der Menschen ist bekanntlich kurz, hier wird es bewahrt. Keine zur Gänze erhaltene, so doch zumindest der Fuß einer 3.000 Jahre alten Mumie, eine Million konservierte Alpenschmetterlinge, wertvolle gotische Skulpturen, steinzeitliche Keile, diverse Streichinstrumente des legendären Tiroler Geigenbauers Jakob Stainer. Die Liste ist lang. Im neuen Sammlungs- und Forschungszentrum Hall lagern unzählige historische Kostbarkeiten mit einem geschätzten Wert von über einer Milliarde Euro.

Reduziert und hermetisch

ls Tresor wacht der quadratische, flache Monolith über die Kulturschätze, die aus zahlreichen Depots und Sammlungen der Tiroler Landesmuseen an diesem Ort zusammengeführt worden sind; das Gedächtnis des Landes gesammelt in einer von außen geheimnisvollen Schatzkiste vor dem Hintergrund der mächtigen Alpengipfel.

Die mit grauen, glasfaserverstärkten Betonplatten (FibreC) verkleidete Fassade mit ihren unregelmäßigen faustkeilförmigen Ausbuchtungen gibt sich hermetisch und wehrhaft wie eine Rüstung. Wenige reduzierte Perforierungen durchbrechen die panzerartige Haut: das Tor für die Lkw-Schleuse, Lüftungsschlitze, die gesetzlich vorgeschriebenen Fenster zur Tischlerei und der Haupteingang. Rot leuchten die Innenseiten des Tores dann, wenn es an den Arbeitstagen geöffnet ist. Regelmäßigen Publikumsverkehr gibt es nicht.

Zwiebelprinzip

Das räumliche Konzept ist einfach und klar. Im Außenring befinden sich nach dem Zwiebelprinzip 7.500 m² Depotflächen, dann folgt ein Gang- bzw. Erschließungsring, im Kern gruppieren sich die hellen Arbeits- und Atelierräume für die drei Dutzend MitarbeiterInnen um das introvertierte, begrünte Atrium, das sich die WissenschaftlerInnen als einen »kontemplativen Denkkreis« für ein konzentriertes Forschen und Arbeiten gewünscht hatten.

Lagern, forschen, restaurieren

Zwei der drei Geschoße sind in der Erde versenkt und erreichen ohne aufwendige Technik für den klimatisch autarken Depotbereich eine optimale Temperatur von 19 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. In seiner Silhouette wird der Baukörper entsprechend der Hanglage eingeschnitten. Der im Außenring gelagerte Fundus ist durch Schleusen über den Erschließungsgang von den Büros, den Werkstätten, Pack-, Entlade- und Konservierungsräumen, dem Fotoatelier und der Tischlerei auf kurzen Wegen erreichbar. »Für uns RestauratorInnen hat sich die Arbeitssituation im Vergleich zu früher erheblich verbessert«, sagt Laura Resenberg, Leiterin der Restaurierungswerkstätten. »Nun ist es möglich, sich auf die Schnelle mal ein Exponat anzuschauen. Die passenden Ateliers liegen dem jeweiligen Depotbestand direkt gegenüber. Sich mit unseren Wägen barrierefrei auf einer Ebene zu bewegen, macht alles viel einfacher.« Forschen, nachdenken und mit FachkollegInnen diskutieren – konzentriert an einem Ort, in Ruhe und direkt am Objekt. Das Gedächtnis der Menschen ist kurz, es zu bewahren ein aufwendiger und doch lohnenswerter Prozess.

Quelle: Franz und Sue ZT GmbH
Fotos: Andreas Buchberger, Christian Flatscher, Ditz Fejer

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