Fassadenfarben - Expertenwissen | BAUKOBOX
Expertenwissen

Fassadenfarben

Die Farbbeschichtung von Außenfassaden bestimmt wesentlich das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes mit und schützt gleichzeitig die darunter liegenden Bauteilschichten vor Witterungseinflüssen.

Bei der Auswahl des Beschichtungssystems sind daher neben gestalterischen Überlegungen auch die Materialeigenschaften mit entscheidend, wie Wasserdampfdurchlässigkeit, Schutz gegen eindringendes Wasser und Materialverträglichkeit mit dem Untergrund.

Mehr über Fassadenfarben

Vor der Entscheidung für ein Beschichtungssystem sollten projektspezifisch alle wesentlichen Anforderungen analysiert werden, hierzu zählen insbesondere:

  • (Un-)Verträglichkeit des vorhandenen Untergrundes mit bestimmten Beschichtungssystemen,
  • Erforderliche Wasserdampfdurchlässigkeit/ Schutz gegen eindringendes Wasser, auch im Abgleich mit dem Beschichtungsuntergrund,
  • Vorhandene Mängel im Untergrund (Salz-/ Feuchtebelastung, Risse),
  • Denkmalschutzrechtliche Anforderungen,
  • Möglichkeiten/ Einschränkungen der einzelnen Beschichtungssysteme bei der Farbgestaltung,
  • (Zulassungsbedingte) Festlegung auf bestimmte Produkte eines Herstellers, z.B. bei Beschichtungen als Teil eines Wärmedämmverbund- oder Sanierputzsystems,
  • Erhöhte Witterungsexposition,
  • Geplanter Ausführungszeitraum mit Temperaturen unter 8°C
  • Erhöhte Anforderungen hinsichtlich einer Resistenz gegenüber Verschmutzungen.
Hinweise zur Planung

Farbgestaltung: Neben herstellerübergreifenden Farbsystemen (z.B. RAL, NCS, LCH) bieten viele Hersteller für Fassadenfarben auch eigene Systeme an, die eine besonders große Auswahl möglicher Farbnuancen unter Berücksichtigung der jeweils verfügbaren Abtönungen des Herstellers berücksichtigen. Zu diesen Farbsystemen sind beim Hersteller Farbfächer erhältlich, in denen die Farben zumeist auf mattem besandetem Papier gedruckt sind, um einen realistischen Farbeindruck zu erhalten. Die einzelnen Farben enthalten dabei zumeist auch Angaben zum jeweiligen Hellbezugswert des Farbtones und zur Eignung des Farbtones für die verschiedenen Werkstoffe (z.B. Dispersionsfarbe, Silikonharzfarbe, Silikatfarbe). Auch auf den Webseiten vieler Hersteller gibt es Programme und Tools zur Farbgestaltung.

Bei der Ausschreibung ist im Leistungsverzeichnis in jedem Fall der vorgesehene Hellbezugswert der Farbe anzugeben, da dieser sowohl den Farbpreis beeinflusst (dunklere Farben erfordern einen höheren Anteil an Abtönfarben und sind daher zumeist teurer), als auch unter Umständen zusätzliche Maßnahmen erforderlich macht, z.B. einen mehrfachen Anstrich, oder bei den vorausgehenden Putz-/ WDVS-Arbeiten zusätzliche Armierungsmaßnahmen wie eine Diagonalarmierung oder eine vollflächige Gewebespachtelung. Weitere Erläuterungen hierzu sind auf der Seite ► 303│Außenputz – Oberputz unter Oberflächenfarbe, Hellbezugswert nachzulesen.

Da bei Fassadenfarben bereits kleine Farbnuancen einen deutlichen Einfluss auf die Wirkung der Fassade haben, empfiehlt sich in jedem Fall das Anlegen von alternierenden Musterflächen vor der endgültigen Entscheidung für einen Farbton. Wenn die VOB C DIN 18363 Vertragsbestandteil ist, ist sowohl das Vorlegen vorgefertigter Oberflächen- und Farbmuster als auch die Herstellung von bis zu 3 Musterflächen von jeweils bis zu 1 m² Größe eine Nebenleistung, die nicht gesondert zu vergüten ist.

Auftragsverfahren: Der Farbauftrag erfolgt durch Streichen, Rollen, oder im besonders wirtschaftlichen nebelarmen Airless-Spritzverfahren, bei dem die Flächen für ein einheitliches Oberflächenbild anschließend nachgerollt werden.

Verkieselung: Fassadenfarben die Kaliwasserglas enthalten, z.B. Silikonharzfarben, Silikatfarben und Dispersionssilikatfarben, gehen durch chemische Verkieselung eine unlösbare und daher besonders feste und dauerhafte Verbindung mit dem Untergrund ein. Dies erschwert allerdings auch das spätere Entfernen der Beschichtung, das nur durch eine Zerstörung der Untergrundoberfläche möglich ist.

Schadensvorbeugende Oberflächenbehandlungen: Die Eigenschaften von Fassadenbeschichtungen lassen sich durch spezielle Oberflächenbehandlungen weiter verbessern, z.B. um Schäden infolge von Wanddurchfeuchtungen oder Pilz-/ Algenbewuchs noch besser vorzubeugen:

  • Filmkonservierung gegen Algen-/ Pilzbefall: Der Fassadenfarbe werden biozide Substanzen beigefügt, die einen Befall mit Algen und/ oder Pilzen reduzieren bzw. verzögern, eine Verwendung der biozid eingestellten Farben in Innenräumen ist aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Die Hersteller weisen darauf hin, dass eine dauerhafte Vermeidung von Algen-/ Pilzbefall nach dem aktuellen Stand der Technik auch mit bioziden Filmkonservierungen nicht gewährleistet werden kann.
  • Hydrophobierung: Besonders mineralische Beschichtungsoberflächen verfügen über einen relativ geringen Grundschutz gegen eindringendes Wasser. Dieser lässt sich durch das Aufbringen von einem geeigneten Hydrophobiermittel deutlich verbessern. Die Wasserdampfdurchlässigkeit wird dabei in der Regel nur unwesentlich verschlechtert.

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Hinweise zur Bauausführung

Witterungsbedingungen: Die Herstellervorgaben sind zu berücksichtigen. Ohne besondere Maßnahmen dürfen Malerarbeiten nur innerhalb der durch die Hersteller für das jeweilige Produkt festgelegten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbereiche ausgeführt werden.

Untergrundvorbehandlung: Viele Schäden an Fassadenbeschichtungen sind auf eine mangelhafte bzw. fehlende Untergrundvorbereitung zurückzuführen. Der Untergrund muss in jedem Fall tragfähig, trocken, sauber, fest und staubfrei sein. Von Betonoberflächen sind ggf. vorhandene Trennmittel, z.B. Schalungsöle, vollständig zu entfernen, ebenso wie Zementschleier oder glasige Sinterhaut. Außerdem muss der Untergrund frei sein von Unebenheiten, die die Optik oder die technischen Eigenschaften der Beschichtung beeinträchtigen könnten. Nach VOB Teil C, hier die DIN 18363 (Maler- und Lackierarbeiten), ist der ausführende Unternehmer verpflichtet, den Untergrund vor Beginn seiner Arbeiten entsprechend zu prüfen und ggf. Bedenken gegen eine Ausführung (ohne zusätzliche Maßnahmen) anzumelden. Dabei sind die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen zum Teil besondere Leistungen, für die dem Unternehmer ggf. eine gesonderte Vergütung zusteht, Einzelheiten sind der DIN 18363 VOB Teil C zu entnehmen.

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Normen und Literatur

DIN 18363, VOB Teil C, Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) Maler- und Lackierarbeiten

DIN 55945, Beschichtungsstoffe und Beschichtungen - Ergänzende Begriffe zu DIN EN ISO 4618

DIN EN 459-1, Baukalk - Teil 1: Begriffe, Anforderungen und Konformitätskriterien

DIN EN 1062-1, Beschichtungsstoffe - Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für mineralische Substrate und Beton im Außenbereich - Teil 1: Einteilung

DIN EN 1062-3, Beschichtungsstoffe - Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für mineralische Substrate und Beton im Außenbereich - Teil 3: Bestimmung der Wasserdurchlässigkeit

DIN EN ISO 4618, Beschichtungsstoffe - Begriffe (ISO 4618:2006)

DIN EN ISO 7783, Beschichtungsstoffe - Bestimmung der Wasserdampfdurchlässigkeit - Schalenverfahren (ISO 7783:2011)

BFS-Merkblatt Nr. 26: Farbveränderung von Beschichtungen im Außenbereich, Stand: 2007, Herausgeber: Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz e.V.

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Quelle: bauwion