Systemboden - Expertenwissen | BAUKOBOX
Expertenwissen

Systemboden

Als Systemböden werden Bodenaufbauten bezeichnet, die zwischen der Trag- und Nutzschicht des Fußbodens und der Rohdecke einen Hohlraum ausbilden, der z.B. für technische Installationen genutzt werden kann. Systemböden werden unterschieden in Hohlböden, mit einer homogenen fugenlosen Tragschicht, und Doppelböden, die aus einzeln herausnehmbaren modularen Elementen bestehen, die jederzeit und an jeder Stelle einen freien Zugang zum Hohlraum ermöglichen.

Mehr über Hohlböden und Doppelböden

Im Gegensatz zu massiven Fußbodenkonstruktionen mit Fertigteil- oder Baustellenestrichen bleibt der Hohlraum von Systemböden weitestgehend für technische Installationen nutzbar, die auch später noch mit geringem Aufwand nachverlegt werden können, insbesondere bei Doppelböden. Ein weiterer Nutzen von Doppelböden liegt in der Verwendung als luftführende Schicht für die Raumlüftung: Als Zuluftführung bei einer vertikalen Verdrängungsströmung von unten (als Quellluftsystem), z.B. in einem Großraumbüro, oder als Abluftführung bei einer vertikalen Verdrängungsströmung von oben, z.B. in einem industriellen Reinraum.

Hohlböden kombinieren dagegen die Möglichkeit der freien Unterflurinstallation mit einer geschlossenen durchgängigen Oberfläche und stellen im Vergleich zu Doppelböden die preisgünstigere Möglichkeit zur Herstellung eines Systembodens dar. Die Kombination von Hohlböden mit Doppelbodentrassen verbindet die freie Zugänglichkeit im Doppelbodentrassenbereich mit den wirtschaftlichen Vorteilen der Hohlbodenflächen.

Gegenüber massiven Fußbodenkonstruktionen können Systemböden mittel- und langfristig wirtschaftliche Vorteile haben, da z.B. die Umbaukosten bei Doppelböden um ca. 30 % niedriger ausfallen und so die um ca. 7 % höher liegenden Investitionskosten einer Neubaumaßnahme amortisieren (Quelle: Merkblatt des Bundesverbandes Systemböden e.V. Nr. 022-Vergleichsmodellrechnung-003; Dezember 2013).

Estrichkanalsysteme sind nicht als Systemböden durch DIN EN 13213 bzw. DIN EN 12825 geregelt und nicht Bestandteil dieser bauwion-Wissensseite.

Hinweise zur Planung

Raster von Systemböden: Das Stützenraster von Systemböden (und zusätzlich das Modulraster der Tragschicht von Doppelböden) beträgt im Regelfall 600 x 600 mm, abweichende Raster sind in Abstimmung mit dem jeweiligen Hersteller möglich. Insbesondere in Randbereichen ergeben sich oftmals abweichende (in der Regel kleinere) Rasterelemente.

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Hinweise zur Bauausführung

Montagezeitpunkt: Die Montage eines Systembodens darf erst nach Austrocknung der Rohbetondecke sowie des Baukörpers erfolgen, um eine Pilzbildung zu vermeiden. Nach der Montage darf durch nachfolgende Gewerke keine Feuchtigkeit in das Gebäude eingebracht werden, die Auswirkungen auf die klimatischen Verhältnisse im Deckenholraum haben kann, s. auch Merkblatt Nr. 3, des Bundesverbandes Systemböden e.V.

Anwendung der VOB C: ist die VOB C Vertragsbestandteil bei der Ausführung, so fallen Systemböden unter VOB C DIN 18340 (Trockenbauarbeiten). Dabei müssen Einbauteile statisch geeignet sein und dürfen nicht die geforderte Tragfähigkeit des Systembodens herabsetzen. Für Doppelböden ergeben sich aus VOB C DIN 18340 zusätzlich folgende Festlegungen:

  • Der Zugang zum Hohlraum muss jederzeit und an jeder Stelle möglich sein
  • Die Unterkonstruktion muss dauerhaft mit dem Rohboden verklebt sein
  • Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen bei Aufbauhöhen > 50 cm, z.B. Stützenverdübelung am Untergrund oder horizontale Sicherung durch Rasterstäbe
  • Die Doppelbodenplatten müssen lose aufgelegt sein
  • Schützen der Schnittkanten feuchteempfindlicher Baustoffe gegen Nässe
  • Maximale Spaltenbreite im Kantenbereich 2 mm
  • Maximaler horizontaler Versatz am Kreuzungspunkt der Plattenecken 4 mm
  • Flächenspachtelungen sind unzulässig

Doppelbodensanierung: Ein Sonderthema ist die Sanierung von Doppelböden. Dabei wird der beschädigte bzw. abgenutzte Doppelbodenbelag abgeschält und, auch im laufenden Betrieb, durch einen neuen Bodenbelag ersetzt. Der gesamte tragende Unterbau kann dabei unverändert beibehalten werden, durch die Sanierung kommt es zu keiner größeren Geräusch-, Geruchs- oder Staubentwicklung.

Normen und Literatur

DIN 18340, VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten

DIN EN 12825, Doppelböden

DIN EN 13213, Hohlböden

DIN EN 13318, Estrichmörtel und Estriche – Begriffe

Anwendungsrichtlinie zur DIN EN 12825 Doppelböden (pdf), herausgegeben vom Bundesverband Systemböden e.V.

Anwendungsrichtlinie zur DIN EN 13213 Hohlböden (pdf), herausgegeben vom Bundesverband Systemböden e.V.

Merkblatt Nr. 3 (pdf), Hygieneanforderungen im Bereich Systemböden, herausgegeben vom Bundesverband Systemböden e.V.

MSysBöR, Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Systemböden (Muster-Systembödenrichtlinie), herausgegeben von der Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder (Bauministerkonferenz, ►IS Argebau). In den einzelnen deutschen Bundesländern ggf. rechtsverbindlich eingeführt, z.B. über die jeweilige Liste der Technischen Baubestimmungen

BIV Merkblatt 1.06, Naturwerkstein auf Trocken-Hohlböden, herausgegeben vom Bundesverband Deutscher Steinmetze

ZDB-Merkblatt Rohre, Kabel und Kabelkanäle auf Rohdecken, Hinweise für Estrichleger und Planer, Herausgeber: Bundesverband Estrich und Belag e.V. (BEB); Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. (ZDB), Stand 08/2003

Bundesverband Systemböden e.V.

SFE (System Flooring EWIV), Europäisch wirtschaftliche Interessenvereinigung für Konformitätszertifikate von Systemböden

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Quelle: bauwion