Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) - Expertenwissen | BAUKOBOX
Expertenwissen

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF), gleichbedeutend mit „Außenwandbekleidungen, hinterlüftet“, stellen eine hochwertige und gestalterisch äußerst vielseitige Möglichkeit der Fassadengestaltung dar.

Allen gemeinsam ist der Aufbau aus Dämmschicht, Unterkonstruktion/ Hinterlüftung und der eigentlichen Fassadenbekleidung.

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Der erhöhte Platzbedarf einer VHF, zum Beispiel im Vergleich zu einer Fassade mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS), sollte bereits in einer frühen Planungsphase berücksichtigt werden.

Neben der Entscheidung für das endgültige Oberflächenmaterial der VHF (s. Tabelle), und den damit verbundenen individuellen gestalterischen Möglichkeiten, wird das Erscheinungsbild entscheidend mitbestimmt durch die Festlegung von Form/ Format (z.B. Platten, Tafeln, Paneele, Rhomben, Quadrate – jeweils gleichmäßig oder regelmäßig/ unregelmäßig wechselnd), Farbe, Oberfläche (z.B. strukturiert, vorpatiniert, Fräsungen/ Lochungen, geschliffen, Graffitischutz), Fuge (z.B. versetzte Fugen, Kreuzfugen), Befestigung (sichtbar/ unsichtbar) und Verlegebild (z.B. offene/ geschlossene Fugen, überstülpt).

Hinweise zur Planung

System: Fassadenbekleidung, Unterkonstruktion und Dämmung müssen für den Einbau als Teil einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) zugelassen sein. Die Verträglichkeit und Kompatibilität der verschiedenen Komponenten untereinander ist zu prüfen.

Statischer Nachweis: Der statische Nachweis der vorgehängten hinterlüfteten Fassade muss die Lastfälle Eigenlast und Windsog/ -druck berücksichtigen. Die Widerstandsfähigkeit gegen Windlasten ist dabei nach DIN 1055-4 nachzuweisen. Weitere Lasten, z. B. aus Bauteilen für Werbung oder Fensteranlagen, dürfen nicht in die VHF einschl. Unterkonstruktion eingeleitet werden.

Untergrund: Aus dem statischen Nachweis ergibt sich, auch in Anhängigkeit vom Material des Untergrundes, die Zahl der erforderlichen Befestigungspunkte. Bei Neubauten wird zumeist eine Außenwand aus Stahlbeton als Untergrund gewählt, grundsätzlich können VHF-Fassaden jedoch auch vor tragenden Ziegelaußenwänden errichtet werden, z.B. im Rahmen einer energetischen Sanierung.

Unterkonstruktion: Die Unterkonstruktion wird aus Holz oder Aluminium hergestellt, auch als Kombination beider Werkstoffe. In jedem Fall ist eine dreidimensionale Justierbarkeit erforderlich, um Unebenheiten des Untergrundes ausgleichen zu können, z.B. durch Bautoleranzen oder kleinere Versprünge. Die Unterkonstruktion besteht aus folgenden Elementen:

  • Verankerungselemente, die die VHF an der tragenden Wand befestigen. Es gibt Verankerungselemente als Gleitpunkte, die Vertikalbewegungen der Fassade, z.B. infolge von Wärmeausdehnung, aufnehmen können, und als Festpunkte, an denen der jeweilige Abschnitt der Unterkonstruktion aufgehängt ist.
  • Tragprofil der Unterkonstruktion, in der Regel vertikal verlaufend
  • Befestigungs- und Verbindungselemente zur Montage

Blitzschutz: In Verbindung mit einer Aluminium-Unterkonstruktion können zusätzliche Blitzableiter im Fassadenbereich entfallen. Dies spart Kosten und vermeidet die ästhetische Beeinträchtigung der Fassade durch sichtbare Blitzableitersysteme.

Dämmschicht: Aus den eingeführten technischen Baubestimmungen und aus der DIN 18351 (VOB C) Nr. 3.5 ergibt sich die Verwendung von nichtbrennbarer Dämmung in Form von Mineralwolle-Dämmstoffplatten. Der im Abgleich mit dem projektspezifischen EnEV-Nachweis zu erreichende U-Wert der Außenwand beeinflusst zusammen mit der gewählten Wärmeleitgruppe der Dämmung (in der Regel Wärmeleitgruppe 032 oder 035) die Stärke der Dämmung und damit auch wesentlich die Gesamttiefe der VHF. Es gibt Dämmsysteme mit oder ohne Vlieskaschierung, allen gemeinsam ist jedoch eine Hydrophobierung. So kann Regen und auch lang anhaltende Nebelnässe nicht in die Dämmschicht eindringen und die Dämmung behält ihre wärmedämmende Funktion in vollem Umfang. Bei Fassadenkonstruktionen mit großen Fugen (>5 mm) empfiehlt sich aus optischen Gründen die Verwendung von dunkel vlieskaschierten Dämmstoffen.

Sanierung bestehender Fassaden: Bestehende Gebäude lassen sich grundsätzlich gut mit einem VHF-System sanieren, die gestalterischen Möglichkeiten sind sehr groß, energetisch und optisch können die sanierten Fassaden einem Neubau sehr nahe kommen. Der zusätzliche Platzbedarf für die VHF-Fassade einschließlich Dämm- und Hinterlüftungsebene ist zu berücksichtigen. Auch ist bei Bestandsfassaden besonderes Augenmerk auf die statische Qualität der bestehenden Außenwand zu legen, da die punktuellen Befestigungspunkte die hohe Belastung aus Eigengewicht und Winddruck/ -sog aufnehmen müssen. Weil die Tragfähigkeit des Untergrundes meistens unbekannt ist, wird diese in der Regel über Auszugversuche am Bauwerk ermittelt, und im Anschluss durch den Statiker festgelegt, welche Befestigungsart (z.B. Dübel, Injektionsanker) und welche Abstände der Unterkonstruktion erforderlich sind. Es kann nicht bei jeder bestehenden Außenwandkonstruktion von einer ausreichenden Tragfähigkeit ausgegangen werden, daher sollten die Auszugversuche in einem frühen Stadium der Planung durchgeführt werden, wenn diesbezüglich Zweifel bestehen. Hiervon sind insbesondere Mauerwerkswände betroffen, und besonders VHF-Systeme mit einem hohen Eigengewicht, z.B. mit Fassadenplatten aus Stein.

Brandschutz: Die Landesbauordnungen enthalten Festlegungen zu Brandschutzanforderungen von Außenwänden und Fassaden, jeweils in Abhängigkeit von der Gebäudeklasse und ergänzt, soweit zutreffend, durch weitere Vorschriften wie z.B. einer Garagenverordnung oder einer Sonderbauvorschrift.

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Hinweise zur Bauausführung

Witterungsbedingungen: Bei Schnee, Eis, starkem Wind und Temperaturen unter 5°C bei Klebearbeiten sind ggf. zusätzliche geeignete Maßnahmen erforderlich, die die ausführende Firme in Abstimmung mit dem Auftraggeber ergreifen muss und für die ihr gem. DIN 18351 (VOB C) Nr. 3.1.5 eine gesonderte Vergütung zusteht.

Untergrund: Der Untergrund muss insbesondere den statischen Anforderungen genügen (s.o.).

Gerüstposition: Eine unzureichende Berücksichtigung der Gerüstposition kann bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden zu Nachträgen und Mehrkosten in der Bauausführung führen. Der gem. DIN 4420-1 maximal zulässige Abstand zwischen Gerüst (Fanglage) und Bauwerk beträgt 0,30 m. Dieser Raum reicht in der Regel nicht aus, um mit der gleichen Gerüstposition ohne zusätzliche Maßnahmen sowohl den Rohbau zu erstellen, als auch die vorgehängte hinterlüftete Fassade einschließlich Dämmung zu montieren. Es empfiehlt sich daher, bereits beim Aufstellen des Gerüstes während der Rohbauarbeiten den späteren Platzbedarf zum Montieren der gesamten VHF zu berücksichtigen. Dies erfordert entweder die Montage von Auslegern/ Gerüstverbreiterungen in jeder Fanglage oder die Montage von zusätzlichem innenliegenden Seitenschutz, bestehend aus Geländerholm und Zwischenholm(en). Dies sollte bei der Ausschreibung der Gerüstarbeiten entsprechend berücksichtigt werden.

Normen und Literatur

Hinweis: die DIN 4108-1 (Wärmeschutz im Hochbau; Größen und Einheiten) wurde zurückgezogen und ersetzt durch die DIN EN ISO 7345

DIN 18351 (VOB C), Allgemeine technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Vorgehängte hinterlüftete Fassaden

DIN 18516-1, Außenwandbekleidungen, hinterlüftet - Teil 1: Anforderungen, Prüfgrundsätze

DIN 18516-3, Außenwandbekleidungen, hinterlüftet - Teil 3: Naturwerkstein; Anforderungen, Bemessung

DIN 18516-4, Außenwandbekleidungen, hinterlüftet - Teil 4: Einscheiben-Sicherheitsglas; Anforderungen, Bemessung, Prüfung

DIN 18516-5, Außenwandbekleidungen, hinterlüftet - Teil 5: Betonwerkstein; Anforderungen, Bemessung

Merkblatt Nachweis der Eignung von Betonwerkstein nach DIN 18516-5, Prof. Dr. Alfred Stein, Herausgeber: Bundesfachgruppe Betonwerkstein, Fertigteile, Terrazzo und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes

DIN EN 438-1, Dekorative Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL) - Platten auf Basis härtbarer Harze (Schichtpressstoffe) - Teil 1: Einleitung und allgemeine Informationen

DIN EN 14411, KeramischeFliesen und Platten - Definitionen, Klassifizierung, Eigenschaften, Konformitätsbewertung und Kennzeichnung

DIN EN ISO 7345, Wärmeschutz - Physikalische Größen und Definitionen

DIN EN ISO 11833-1, Kunststoffe - Weichmacherfreie Polyvinylchloridtafeln -Typen, Maße und Eigenschaften - Teil 1: Tafeln mit einer Dicke von mindestens 1 mm

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Quelle: bauwion