Der LCT ONE (LifeCycle Tower ONE) ist in verschiedener Hinsicht ein Pionierbauwerk. Das Projekt ist das erste achtgeschossige Holzgebäude in Österreich. Es wurde zum ersten Mal ein Gebäude in Holzbauweise an der Hochhausgrenze errichtet. Zudem stellt es den Prototypen für die im Forschungsprojekt „LifeCycle Tower“ entwickelte Holz-Systembauweise dar. Ziel des Projektes war, das Bausystem auf seine Umsetzbarkeit hin zu prüfen und die Funktionstüchtigkeit unter realen Nutzungsbedingungen. Dieses Demonstrationsvorhaben war zentraler Baustein, die internationale Marktreife zu erlangen.
Am aussteifenden Stiegenhauskern des LCT ONE werden einhüftig die Büroflächen angehängt. Entgegen dem Vorschlag im vorausgegangenen Forschungsprojekt LCT, auch den Stiegenhauskern in Holz zu bauen, wird hier der Kern in Ortbeton ausgeführt. Nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften des Brandschutzes ist es derzeit nicht möglich, den Kern aus brennbaren Baustoffen zu erzeugen.
Mit dem Prüfnachweis (nach DIN EN 13501) des Feuerwiderstandes REI 90 der Holzverbundhybriddecke ist eine wichtige Voraussetzung der Brandschutzbehörde erfüllt. Dazu wurden bei der Firma Pavus in Tschechien mehrere HBV-Elemente von 2,7 m x 8,1 m – entspricht dem Fassadenraster und der möglichen Raumtiefe – einem Brandversuch unterzogen.
Die Holz-Beton-Verbundrippendecke ist der eigentliche Schlüssel, um in die Höhe zu bauen. Damit gelingt es nämlich, die jeweiligen Geschosse durch eine nicht brennbare Schicht konsequent zu trennen. In die Stahlschalung von 8,1 mal 2,7 Metern werden die Holzbalken eingelegt, die Abstände dazwischen geschalt und im Vergussverfahren betoniert. Durch den hohen Vorfertigungsgrad vereinfacht sich der Bauablauf wesentlich. Die Deckenelemente können industriell viel präziser gearbeitet werden, es gibt keine Aushärtungszeiten auf der Baustelle und für die Verlegung eines Deckenelementes geben die Handwerker nur fünf Minuten an.
Der Schubverbund zwischen Beton und Leimbinder wird nicht mittels komplizierter Verbinder, sondern über Schrauben und Schubkerven hergestellt. Die Sturzträger aus Beton sind statisch wesentlich zur Durchleitung der enormen Kräfte aus den Fassadenstützen. Das Hirnholz der Doppelstützen steht direkt auf dem Beton, der verbindende Dorn wird auf der Baustelle im Fertigteil eingegossen. Dieser Sturzträger ermöglicht auch die brandschutztechnisch notwendige geschoßweise Trennung der Konstruktion in der Stützenebene und die Einleitung der Lasten aus der Decke in die Stütze, ohne einen Holzbauteil quer zur Faser zu belasten. Dem Kräfteverlauf folgend, werden die Stützen den tatsächlichen statischen Erfordernissen entsprechend konfektioniert.
Quelle: Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH
Photos: Norman Radon
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